Knochenmark nicht Rückenmark!

Entgegen der leider noch immer sehr verbreiteten Meinung hat eine Stammzellspende bzw. Knochenmarkspende nichts mit dem in der Wirbelsäule befindlichen Rückenmark zu tun.
Bei den für die Spende relevanten Zellen handelt es sich um Stammzellen, die Vorläuferzellen der einzelnen Blutbestandteile. Aus Ihnen entwickeln sich demzufolge die weißen und roten Blutkörperchen sowie die Blutplättchen. Stammzellen werden können aus dem Knochenmark, welches sich in den großen Knochen unseres Körpers befindet entnommen werden oder direkt aus dem Blut herausgefiltert werden. Das Rückenmark in der Wirbelsäule ist Teil des Nervensystems und hat mit der Blutbildung und damit mit Stammzellen gar nichts zu tun!
Um euch das Ganze etwas anschaulicher zu beschreiben, folgen hier nun zwei Erfahrungsberichte. Zuerst ein Bericht von Jan Dirk der Stammzellen über das Knochenmark gespendet hat:
Ich habe es auch getan! Und zwar habe ich mich nicht nur typisieren lassen, sondern ich habe sogar schon Stammzellen in Form von Knochenmark spenden dürfen.
Die Typisierung ist schon ca. zwei Jahre her und war für mich selbstverständlich. Schließlich gehe ich auch auch schon regelmäßig Blut spenden, da sollte eine winzig kleine Blutprobe für die DKMS erst recht kein Problem sein. Nebenbei: Einen Organspendeausweis sollte sich auch jeder zulegen!
Seit der Typisierung, die man mittlerweile übrigens auch mit einem von der DKMS zugeschickten Wattestäbchen selber durchführen kann, hatte ich auch schon zweimal Post von der DKMS bekommen, dass ich bitte zwecks Feintypisierung nochmal Blutproben vom Hausarzt abnehmen lassen und zur DKMS schicken solle, da meine Gewebemerkmale, die sie seit der Typisierung von mir hatten, evtl. auf einen Patienten zutreffen könnten. Beide Male hat allerdings jemand anderes besser gepasst und ich bekam eine Absage.
Doch vor kurzem bekam ich dann einen Anruf von der DKMS, die mir sagte, dass ich nun der richtige Spender für einen Patienten sei und ich doch bitte zur Voruntersuchung nach Dresden kommen solle. Die Fahrt dorthin und die Übernachtung im Hotel bezahlte die DKMS. Am Tag der Voruntersuchung wurde ich dann komplett durchgecheckt, ob ich denn auch gesundheitlich in der Lage bin, zu spenden: EKG, Ultraschall, persönliche Gespräche und abermals Blutproben. Das alles dauerte einen Vormittag. So einen (für mich kostenlosen) Check bekommt man so schnell nicht wieder!
Der Transplantationstermin war ein Monat später. Es sollte die Knochenmarkspende sein (NICHT Rückenmark!), also im OP mit Vollnarkose. Von der OP selber habe ich dank der Vollnarkose natürlich überhaupt nichts mitgekriegt. Ich erwachte danach im Aufwachraum und es ging mir soweit ganz gut. Lediglich Druckschmerzen an den Punktionsstellen oberhalb des Gesäßes waren zu spüren, aber auszuhalten. Als ich dann zum Mittagessen aufgerichtet wurde, hat auch mein Kreislauf schlapp gemacht. Doch nachdem ich dann eine Infusion meines zwei Wochen vorher gespendeten Eigenblutes bekommen habe, besserte sich das ziemlich schnell wieder. Schließlich hatte ich 1,5 Liter Knochenmark entnommen bekommen, die maximal erlaubte Höchstmenge! Im Durchschnitt ist es nur ca. 1 Liter.
Tags darauf wurde ich auch schon wieder entlassen. Die Schmerzen, die ich auch nur dann hatte, wenn ich unglücklich lag oder mich schnell bewegt habe, wurden von Tag zu Tag weniger. Am 3. Tag danach waren sie kaum noch spürbar.
Die DKMS verriet mir, dass mein Knochenmark an eine 62jährige Patientin in den USA geht. Falls gewünscht, können auch anonymisierte Briefe ausgetauscht werden. Und nach zwei Jahren wäre sogar ein persönlicher Kontakt möglich. Das würde mich stolz machen, wenn “meine” Patientin durch meine Spende überleben würde und ich würde mich sehr freuen, wenn es dann irgendwann zu einem persönlichen Kontakt kommen kann.


Ich habe mittlerweile Nachricht von der DKMS bekommen, dass es “meiner” Patientin wieder gut geht. Die transplantierten Zellen sind bei ihr gut angegangen und haben ihre Funktion, die Bildung gesunder Blutzellen, aufgenommen. Eine leichte Abstoßreaktion, die aber die Patientin nicht sehr beeinträchtigt, ist derzeit die einzige Komplikation, so dass sie auch bereits aus der stationären Behandlung nach Hause entlassen werden konnte. Dort erholt sie sich momentan von den vorangegangenen Strapazen.